Angst vor der Geburt: Ursachen & Wege damit umzugehen
- Herzensbegleitungen

- vor 4 Tagen
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Die Schwangerschaft wird oft als eine Zeit der Vorfreude beschrieben. Viele Frauen erleben sie jedoch differenzierter. Neben Neugier, Erwartung und positiven Gedanken tauchen nicht selten auch Unsicherheit, Zweifel oder Sorgen auf. Besonders rund um das Thema Geburt entstehen häufig gemischte Gefühle.
Gedanken über Schmerzen, den Geburtsverlauf oder mögliche Komplikationen sind für viele Schwangere ein wiederkehrendes Thema, auch wenn darüber im Alltag erstaunlich selten offen gesprochen wird. Manche Frauen haben das Gefühl, sie müssten sich ausschließlich freuen, andere möchten ihre Ängste nicht teilen, weil sie befürchten, nicht ernst genommen zu werden.
Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass Sorgen rund um die Geburt weder ungewöhnlich noch ein Zeichen von Schwäche sind, sondern meist eine nachvollziehbare Reaktion auf das Unbekannte, auf fehlende Orientierung oder auf Vorstellungen, die durch Erzählungen und äußere Einflüsse geprägt wurden.
Mein Artikel soll dir helfen, typische Ursachen dieser Ängste besser einzuordnen und Wege kennenzulernen, die dabei unterstützen können, wieder mehr Sicherheit im Umgang mit diesen Gedanken zu entwickeln.
Wenn Vorfreude und Unsicherheit gleichzeitig da sind
Nicht jede werdende Mutter blickt der Geburt automatisch gelassen entgegen, was vollkommen verständlich ist, denn eine Geburt ist keine Alltagssituation, sondern eine intensive körperliche und emotionale Erfahrung, die sich trotz guter Vorbereitung nicht vollständig planen lässt.
Viele Frauen erleben in dieser Phase eine innere Zerrissenheit, bei der sich Vorfreude auf das Baby und Sorgen vor der Geburt abwechseln oder sogar gleichzeitig vorhanden sind, was häufig zu zusätzlicher Verunsicherung führt, weil der Eindruck entsteht, man müsse sich doch eigentlich nur freuen.
Typische Gedanken können sein, dass man die Schmerzen möglicherweise nicht bewältigen kann, dass etwas Unvorhergesehenes passiert oder dass man sich während der Geburt ausgeliefert fühlen könnte, obwohl diese Gedanken zunächst nichts anderes ausdrücken als das menschliche Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle.
Woher entstehen Ängste rund um die Geburt?
Ängste entstehen nur selten ohne Auslöser, denn in den meisten Fällen lassen sich klare Hintergründe erkennen, die dazu beitragen, dass Unsicherheit größer wird oder sich Sorgen festsetzen.
Fehlende oder schwer greifbare Informationen
Obwohl Schwangere medizinisch meist gut betreut werden, berichten viele Frauen, dass sie sich emotional oder mental nicht ausreichend vorbereitet fühlen, weil Informationen zwar vorhanden sind, jedoch häufig sehr technisch, knapp oder wenig alltagsnah vermittelt werden.
Fragen wie „Wie fühlen sich Wehen wirklich an?“, „Was hilft bei Schmerzen?“ oder „Welche Entscheidungen können unter der Geburt auf mich zukommen?“ bleiben nicht selten offen oder werden nur oberflächlich beantwortet, wodurch das Gefühl entsteht, nicht genau zu wissen, was einen erwartet.
Berichte und Erfahrungen anderer
Geburtsberichte aus dem Freundes- oder Familienkreis sowie Darstellungen in Medien und sozialen Netzwerken haben einen erheblichen Einfluss auf die eigene Vorstellung von Geburt, wobei auffällt, dass besonders belastende oder dramatische Erfahrungen häufig sehr präsent sind.
Positive oder ruhige Geburten werden im Vergleich deutlich seltener erzählt, was dazu führen kann, dass ein einseitiges Bild entsteht, das die eigene Unsicherheit verstärkt.
Angst vor Schmerzen
Die Sorge vor Schmerzen gehört zu den häufigsten Gründen für Geburtsangst, vor allem dann, wenn keine realistische Einordnung erfolgt ist und unklar bleibt, wie intensiv die Empfindungen tatsächlich sein werden und welche Möglichkeiten zur Unterstützung bestehen.
Sorge vor Kontrollverlust
Da sich eine Geburt nicht exakt planen lässt, beschäftigt viele Frauen die Vorstellung, während dieses Prozesses die Kontrolle zu verlieren oder Entscheidungen nicht selbstbestimmt treffen zu können, insbesondere im Kontext eines Krankenhausaufenthalts.
Eigene Vorerfahrungen
Frühere Geburten, medizinische Eingriffe oder belastende Erlebnisse im Gesundheitswesen können sich nachhaltig auf die Wahrnehmung auswirken und bestehende Ängste verstärken.
Was Unsicherheit zusätzlich verstärken kann
Neben den eigentlichen Sorgen spielen äußere Faktoren eine große Rolle, die oft unterschätzt werden.
Informationsflut
Die Vielzahl an Informationen, Meinungen und Erfahrungsberichten, die heute über das Internet zugänglich sind, kann schnell überfordern, insbesondere wenn Inhalte widersprüchlich wirken oder extreme Szenarien betonen.
Vergleiche mit anderen Frauen
Der Eindruck, andere Schwangere seien vollkommen entspannt, kann Druck erzeugen, obwohl Ängste individuell erlebt werden und sich nicht sinnvoll vergleichen lassen.
Zu wenig Raum für persönliche Fragen
Wenn Sorgen keinen Platz finden oder aus Zeitmangel nicht ausreichend besprochen werden können, bleiben viele Gedanken ungelöst.
Der Anspruch, angstfrei sein zu müssen
Die Erwartung, der Geburt ohne Zweifel entgegenblicken zu müssen, ist unrealistisch und verstärkt oft das Gefühl, mit den eigenen Sorgen „falsch“ zu sein.
Ein realistischer Blick auf die Geburt
Zwischen stark dramatisierenden Darstellungen und idealisierten Bildern liegt die Realität, denn eine Geburt ist zweifellos intensiv und fordernd, jedoch nicht automatisch negativ oder traumatisch.
Ein sachlicher Blick auf die Geburt kann helfen, extreme Vorstellungen zu relativieren und ein ausgewogeneres Bild zu entwickeln.
Wege, mit Geburtsangst umzugehen
Auch wenn sich Angst nicht einfach abschalten lässt, gibt es verschiedene Ansätze, die entlastend wirken können.
Verständliche und ehrliche Aufklärung
Nachvollziehbare Informationen über Abläufe, körperliche Prozesse und mögliche Optionen können Unsicherheiten deutlich reduzieren.
Eigene Sorgen bewusst wahrnehmen
Wer sich erlaubt, Ängste ernst zu nehmen und klar zu benennen, schafft eine wichtige Grundlage für Entlastung.
Realistische Vorbereitung
Vorbereitung bedeutet, Zusammenhänge zu verstehen und Optionen kennenzulernen, nicht jedoch, jeden Verlauf kontrollieren zu können.
Gespräch und Begleitung
Eine konstante Ansprechperson kann helfen, Gedanken einzuordnen und emotionale Stabilität aufzubauen.
Gedanken überprüfen
Hilfreich kann sein, zwischen realistischen Einschätzungen und Befürchtungen zu unterscheiden.
Selbstfürsorge
Ausreichende Ruhe, Bewegung und emotionale Entlastung wirken stabilisierend.
Wann zusätzliche Unterstützung sinnvoll sein kann
Wenn Sorgen den Alltag stark belasten oder die Vorfreude dauerhaft überlagern, kann begleitende Unterstützung hilfreich sein.
Erfahrungen aus meiner Begleitung
In meiner Arbeit mit Schwangeren im Raum Rosenheim zeigt sich immer wieder, dass viele Frauen nicht nur Informationen, sondern vor allem Sicherheit, Einordnung und Raum für ihre Gedanken benötigen.
Fazit
Angst erfüllt eine wichtige Funktion. Sie ist ein Schutzmechanismus, der uns auf mögliche Unsicherheiten oder offene Fragen hinweist. Gerade im Zusammenhang mit der Geburt zeigt sie oft weniger eine Schwäche, sondern vielmehr das Bedürfnis nach Sicherheit, Orientierung und Verständnis.
Geburtsangst ist daher nichts Ungewöhnliches. Viele Frauen erleben im Laufe der Schwangerschaft Phasen, in denen Sorgen oder Zweifel stärker werden. Häufig entstehen diese Gefühle durch fehlende Klarheit, widersprüchliche Informationen oder belastende Vorstellungen. Sachliche Aufklärung, eine realistische Vorbereitung und passende Begleitung können dabei helfen, Gedanken einzuordnen, Unsicherheiten zu reduzieren und das eigene Vertrauen zu stärken. Dabei geht es nicht darum, Angst vollständig verschwinden zu lassen, sondern einen guten und stabilen Umgang mit ihr zu finden.
♡ Wenn du dir mehr Sicherheit wünschst ♡
Wenn dich deine Gedanken rund um die Geburt stark beschäftigen oder du dir eine ruhige, sachliche Begleitung wünschst, unterstütze ich dich gern – vor Ort im Raum Rosenheim oder online. Gemeinsam schauen wir, was du brauchst, klären offene Fragen und schaffen Schritt für Schritt mehr Sicherheit. Ehrlich, wertschätzend und immer in deinem Tempo.



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